Mein Pomeranian: Zwischen Charme und Qualzucht

Autor: Eileen

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Leben mit Hund

7 Min. Lesezeit

Ein kleiner Hund mit großer Persönlichkeit

Vor acht Wochen ist Djego, ein 3 jähriger Pomeranian bei mir eingezogen. Seitdem sorgt er täglich für Lacher, Überraschungen und jede Menge gute Laune. Wer diese kleinen Hunde einmal erlebt hat, versteht schnell, warum sie so beliebt sind.

Mein kleiner Zwerg ist freundlich, neugierig und unglaublich verspielt. Er hat ständig irgendeinen Unsinn im Kopf, liebt es, im Mittelpunkt zu stehen und schafft es mit seinem niedlichen Aussehen regelmäßig, selbst die schlechteste Stimmung zu vertreiben. Sein flauschiges Fell, die aufmerksamen Augen und sein fröhliches Wesen machen es schwer, ihm lange böse zu sein – selbst wenn er gerade wieder etwas angestellt hat.

Doch je mehr ich mich mit der Rasse beschäftigt habe, desto deutlicher wurde mir, dass hinter dem niedlichen Aussehen auch eine problematische Seite steckt. Genau darüber möchte ich in diesem Artikel sprechen.

Warum Pomeranians so beliebt sind

Der Pomeranian, auch Zwergspitz genannt, gehört zu den kleinsten Hunderassen der Welt. Viele Menschen verlieben sich auf den ersten Blick in das plüschige Aussehen und das sogenannte „Teddybär-Gesicht“.

Zu den positiven Eigenschaften gehören:

  • freundliches und oft menschenbezogenes Wesen
  • intelligent und lernfähig
  • verspielt bis ins hohe Alter
  • anpassungsfähig in Wohnungen und Häusern
  • meist sehr anhänglich gegenüber ihren Bezugspersonen
  • aufmerksam und wachsam

Gerade diese Eigenschaften machen die Rasse für viele Menschen attraktiv.

Die Schattenseite: Wenn Schönheit wichtiger wird als Gesundheit

Leider wurden Pomeranians über viele Jahre hinweg immer extremer gezüchtet. Besonders kleine Hunde mit sehr kurzem Fang, riesigen Augen und besonders dichtem Fell erzielen oft hohe Verkaufspreise.

Das Problem dabei: Viele dieser Merkmale haben gesundheitliche Folgen.

Nicht jeder Pomeranian ist krank. Dennoch treten bestimmte Erkrankungen bei dieser Rasse deutlich häufiger auf als bei vielen anderen Hunden.

Häufige Gesundheitsprobleme

Atemprobleme

Viele Pomeranians besitzen eine verkürzte Schnauze. Dadurch können Atemwege eingeengt sein.

Mögliche Folgen:

  • schnelle Erschöpfung
  • Atemgeräusche
  • Schwierigkeiten bei Hitze
  • erhöhte Belastung für Herz und Kreislauf

Auch wenn die Probleme oft weniger ausgeprägt sind als bei Möpsen oder Französischen Bulldoggen, kommen sie dennoch vor.

Trachealkollaps

Eine besonders bekannte Erkrankung beim Pomeranian ist der sogenannte Trachealkollaps.

Dabei verliert die Luftröhre an Stabilität und fällt teilweise zusammen.

Typische Symptome:

  • trockener Husten
  • würgende Geräusche
  • Atemprobleme bei Aufregung
  • Belastungsintoleranz

Die Erkrankung kann leicht verlaufen, aber auch lebenslang Probleme verursachen.

Zahnprobleme

Durch den sehr kleinen Schädel haben viele Pomeranians zu wenig Platz für ihre Zähne.

Dadurch entstehen häufiger:

  • Zahnfehlstellungen
  • Zahnstein
  • Zahnfleischentzündungen
  • früher Zahnverlust

Regelmäßige Zahnpflege ist deshalb besonders wichtig.

 

Patellaluxation

Bei dieser Erkrankung springt die Kniescheibe aus ihrer normalen Position.

Betroffene Hunde zeigen häufig:

  • Hüpfen auf drei Beinen
  • Lahmheit
  • Schmerzen bei Bewegung

Je nach Schweregrad kann sogar eine Operation notwendig werden.

Augenprobleme

Die großen, hervorstehenden Augen gelten für viele Menschen als besonders niedlich.

Leider sind sie auch anfälliger für:

  • Verletzungen
  • Entzündungen
  • trockene Augen
  • Netzhauterkrankungen

Neurologische Erkrankungen

Pomeranians können außerdem von erblich bedingten neurologischen Problemen betroffen sein.

Dazu gehören unter anderem:

  • Syringomyelie
  • Hydrozephalus (Wasserkopf)
  • epileptische Anfälle

Diese Erkrankungen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Verhaltensprobleme: Oft hausgemacht und dennoch rassetypisch

 

Nicht alle Schwierigkeiten betreffen die körperliche Gesundheit.

Viele Pomeranians werden aufgrund ihrer Größe wie Spielzeug behandelt. Das kann zu Verhaltensproblemen führen.

Häufig beobachtet werden:

 

Übermäßiges Bellen

Pomeranians sind wachsam und melden gerne alles, was ihnen auffällt.

Ohne konsequentes Training kann daraus dauerhaftes Kläffen werden.

Unsicherheit und Angst

Viele Hunde werden überbehütet oder kaum sozialisiert.

Dadurch entstehen oft:

  • Angst vor fremden Menschen
  • Unsicherheit gegenüber anderen Hunden
  • Nervosität im Alltag

Trennungsprobleme

Durch ihre starke Bindung an Menschen können manche Tiere schlecht alleine bleiben.

Kleine Hunde werden oft unterschätzt

Ein Problem, das nicht nur Pomeranians betrifft, sondern viele kleine Hunderassen: Sie werden häufig nicht als „richtige Hunde“ behandelt.

Während bei großen Hunden früh auf Erziehung, Sozialisation und klare Regeln geachtet wird, werden kleine Hunde oft verhätschelt oder unerwünschte Verhaltensweisen als niedlich abgetan.

Ein Hund, der Menschen anspringt, andere Hunde anbellt oder ständig Aufmerksamkeit einfordert, wird bei einem 3-Kilo-Hund oft belächelt. Würde ein 40-Kilo-Hund dasselbe Verhalten zeigen, würden viele Halter deutlich konsequenter reagieren.

Fehlende Grenzen, mangelnde Auslastung und inkonsequente Erziehung können dazu führen, dass sich Verhaltensprobleme entwickeln oder verstärken. Dazu gehören beispielsweise übermäßiges Bellen, Unsicherheit, Leinenpöbeln, Trennungsstress oder ein übersteigertes Kontrollverhalten gegenüber den Bezugspersonen.

Dabei sind auch kleine Hunde vollwertige Hunde mit denselben Bedürfnissen wie ihre größeren Artgenossen. Sie brauchen klare Regeln, Sicherheit, Beschäftigung und eine faire, konsequente Erziehung. Gerade intelligente Rassen wie der Pomeranian profitieren davon, wenn man sie ernst nimmt und ihnen Orientierung gibt.

Der Pflegeaufwand wird oft unterschätzt

Wer sich einen Pomeranian anschafft, sollte sich bewusst sein, dass das flauschige Fell nicht nur schön aussieht, sondern auch Arbeit macht. Das dichte Doppelfell benötigt regelmäßige Pflege, um Verfilzungen, Knoten und Hautprobleme zu vermeiden.

Je nach Fellstruktur sollte ein Pomeranian mehrmals pro Woche gründlich gebürstet werden. Während des Fellwechsels kann sogar tägliches Bürsten sinnvoll sein. Hinzu kommen regelmäßige Kontrollen von Augen, Ohren, Zähnen und Krallen.

Viele Menschen verlieben sich in das niedliche Aussehen der Rasse, unterschätzen aber den Zeitaufwand, der mit der Fellpflege verbunden ist. Wer sich für einen Pomeranian entscheidet, sollte daher bereit sein, die notwendige Pflege dauerhaft in den Alltag zu integrieren.

Hier findet ihr eine Komplette Liste mit Pflegeprodukten die ich euch empfehlen kann ->  Link zur Liste

Mein Tipp: Mit dem richtigen Pflegeset wird die Fellpflege deutlich einfacher – für dich und vor allem für deinen Hund. Lieber regelmäßig ein paar Minuten investieren, als später mühsam Verfilzungen entfernen zu müssen.

Hier findet ihr das Pflegeset das ich empfehle

-> Schaut es euch hier an

Warum ich keinen Kauf beim Vermehrer empfehlen kann

Vermehrer produzieren häufig möglichst viele Welpen mit möglichst wenig Aufwand.

Gesundheitstests fehlen oft vollständig oder sind unzureichend.

Dabei steht meist nicht das Wohl der Tiere im Vordergrund, sondern der Gewinn.

Die Folgen können sein:

  • erhöhte Krankheitsrisiken
  • schlechte Sozialisation
  • mangelnde tierärztliche Versorgung
  • hohe spätere Tierarztkosten

Wer einen Hund von einem Vermehrer kauft, unterstützt dieses System indirekt.

Und warum ich auch den Kauf beim Züchter kritisch sehe

Dieser Abschnitt wird sicherlich kontrovers diskutiert werden.

Natürlich gibt es verantwortungsvolle Züchter, die viel Wert auf Gesundheit und Aufklärung legen. Dennoch bleibt für mich eine grundsätzliche Frage bestehen:

Sollten Hunde mit bekannten rassetypischen Gesundheitsproblemen überhaupt weiter gezüchtet werden?

Solange extrem kleine Körpergrößen, besonders kurze Schnauzen oder andere gesundheitlich problematische Merkmale gefragt sind, bleibt die Nachfrage bestehen.

Zudem warten bereits viele Hunde auf ein neues Zuhause.

Für mich persönlich stellt sich daher die Frage, ob weitere Zucht wirklich notwendig ist.

Egal, ob du gerade überlegst, einen Pomeranian aufzunehmen, oder bereits das Glück hast, mit einem dieser kleinen Wirbelwinde zusammenzuleben – ein fundiertes Buch hilft dabei, typische Fehler zu vermeiden und deinem Hund ein glückliches, artgerechtes Leben zu ermöglichen. Wissen ist schließlich die beste Grundlage für eine starke Mensch-Hund-Bindung.

Link zum Buch

Eine Alternative: Adoption erwachsener Hunde

Wer sich für einen Pomeranian interessiert, sollte auch einen Blick in den Tierschutz oder auf private Vermittlungen werfen.

Ich habe Djego von einer Familie übernommen die ihm aus beruflichen Gründen nicht mehr gerecht werden konnte.

Gründe, warum Hunde abgegeben werden, gibt es viele:

  • veränderte Lebensumstände
  • Krankheit der Halter
  • Scheidung
  • Zeitmangel
  • finanzielle Probleme

Nicht jeder abgegebene Hund hat Verhaltensprobleme.

Oft suchen liebevolle Tiere einfach ein neues Zuhause.

Ein erwachsener Hund bietet sogar einige Vorteile:

  • Charakter bereits erkennbar
  • häufig stubenrein
  • keine Welpenphase
  • oft ruhiger und ausgeglichener

Mein persönliches Fazit

Ich liebe meinen kleinen Pomeranian. Er bringt mich jeden Tag zum Lachen, überrascht mich mit seinem Charakter und bereichert mein Leben enorm.

Gleichzeitig halte ich es für wichtig, auch die kritischen Seiten dieser Rasse anzusprechen. Hinter dem niedlichen Aussehen verbergen sich leider gesundheitliche Risiken, die man nicht ignorieren sollte.

Wer sich für einen Pomeranian entscheidet, sollte sich umfassend informieren und nicht nur nach dem Aussehen gehen. Noch besser wäre es, Hunden aus dem Tierschutz oder aus privaten Abgaben eine Chance zu geben, anstatt die Nachfrage nach immer neuen Welpen zu fördern.

Denn am Ende sollte nicht die Optik im Mittelpunkt stehen, sondern das Wohl des Hundes.

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