Der lukrative Handel mit Hunden —
ganz legal, gleich nebenan
Teil 1 Ablauf & Problematiken
Wenn man über Hundehandel spricht, denkt man an Rassehunde, die in Osteuropa in kleinen Verschlägen gehalten, zu jedem Zyklus gedeckt und deren Welpen viel zu früh nach Deutschland geschmuggelt werden — oft krank und verhaltensgestört —, um sie hier für verhältnismäßig wenig Geld zu verkaufen.
Was, wenn ich euch sage, dass wir ähnliche Umstände ganz legal, gleich nebenan und sogar für noch weniger Geld haben? Mehr dazu erfahrt ihr hier.
So fängt es an
„Eigentlich könnten wir uns doch einen Hund anschaffen.“
Ein Satz, der in Zeiten von Homeoffice und aufgeschobenem Kinderwunsch schneller fällt als noch vor fünf Jahren. Wenn man keine konkrete Vorstellung hat, sondern einfach „einen Hund“ möchte, landet man selten bei einer bestimmten Rasse.
Einen seriösen Züchter zu finden, ist zudem oft kompliziert: Man muss warten, sich bewerben, Gespräche führen und erklären, warum man für genau diese Rasse geeignet ist. Der Gedanke, möglicherweise Monate auf einen Welpen zu warten, wirkt auf viele abschreckend. Schließlich möchte man den Hund ja am liebsten nächste Woche — da hat man gerade Zeit und kann sich gut einarbeiten.
Und dann steht da noch dieser Preis im Raum: 2000 Euro für einen Hund? Ganz schön viel. „Papiere braucht man doch sowieso nur, wenn man züchten will“, heißt es dann oft.
Also wird es bequem: Man scrollt durchs Internet.
Online-Portale voller Hunde — jede Farbe, jede Größe, jedes Alter. Dazu niedliche Fotos und herzzerreißende Beschreibungen. Wenn nichts Passendes dabei ist, wechselt man einfach auf die nächste Seite.
Und irgendwo hat man gehört, dass im Tierheim zwei Dörfer weiter „immer viele Hunde sitzen“. Dort könne man sich die Tiere sogar direkt anschauen, sich spontan einen aussuchen und ihn zeitnah mitnehmen. Nachschub hätten die schließlich regelmäßig.
Wer sich für Variante A entscheidet — also dafür, einen Hund über ein Online-Portal quasi wie aus einem Katalog auszuwählen — erlebt meist Folgendes:
Man füllt ein Kontaktformular aus, gibt an, für welchen Hund man sich interessiert, und schreibt ein paar Worte über sich selbst. Anschließend kündigt der Verein eine Vorkontrolle an: Entweder kommt jemand vorbei und füllt einen Fragebogen aus, oder man schickt einfach ein kurzes Video der Wohnung. Zwei Minuten filmen, abschicken, erledigt.
Und solange man nicht gerade ohne Strom und fließendes Wasser in einer Holzhütte im Wald lebt, steht einer Adoption meist nichts im Wege.
Entscheidet man sich dagegen für das Tierheim, läuft es in den meisten Heimen ähnlich unkompliziert ab:
Man ruft an, vereinbart einen Termin und hat entweder schon vorab einen Hund auf der Website ausgewählt — was die Arbeit der Tierheime erleichtert —, oder man lässt sich vor Ort durch die Anlage führen. Dort trifft man auf traurige Augen, rührende Geschichten und Hunde, die man spontan ins Herz schließt.
Es folgt in der Regel eine Gassirunde, um den Hund „ein bisschen besser kennenzulernen“. Manchmal schaut später noch ein Mitarbeiter oder Ehrenamtlicher im zukünftigen Zuhause vorbei. Und rund 500 Euro später hält man seinen Hund in den Armen. Wenn alles reibungslos läuft, dauert der gesamte Prozess kaum länger als zwei Tage.
Wenn man mit einem neuen Familienmitglied zu Hause auf der Couch sitzt, denkt man später nur selten darüber nach, woher dieser Hund stammt und welche Geschichte er mitbringt.
Die Vorstellung, einem Hund das Leben zu retten, ihm ein gutes Zuhause zu ermöglichen und dafür Dankbarkeit und Liebe zurückzubekommen, ist verständlich und emotional sehr ansprechend. Sie motiviert und vermittelt das Gefühl, einen positiven Beitrag zu leisten. Doch wie groß ist dieser Beitrag tatsächlich – und welche Erwartungen sind realistisch?
Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht. Die Realität ist komplexer, als sie häufig dargestellt wird.
Oft wird gesagt, Hunde stammten aus sogenannten Tötungsstationen und seien in letzter Minute gerettet worden. Das kann zutreffen, ist jedoch nicht immer nachprüfbar. Ebenso ist es möglich, dass Hunde aus Massenzuchten stammen oder gezielt für den Auslandstierschutz bereitgestellt werden. Für zukünftige Halter ist es in der Regel kaum möglich, die tatsächliche Herkunft eines Hundes zu überprüfen, da nur wenige selbst in die Herkunftsländer reisen und sich vor Ort ein Bild machen.
Hinzu kommt, dass viele als „Straßenhunde“ bezeichnete Tiere durchaus Besitzer haben. In manchen Ländern ist es üblich, dass Hunde sich frei bewegen und selbstständig unterwegs sind, anstatt an der Leine geführt zu werden. Eine längere Beobachtung, um festzustellen, ob ein Hund tatsächlich herrenlos ist, findet in vielen Fällen nicht statt.
Häufig werden Hunde eingefangen, die über Jahre an ein selbstständiges Leben angepasst waren. Diese Tiere haben andere Erfahrungen gemacht und andere Fähigkeiten entwickelt als Hunde, die von Beginn an in einem häuslichen Umfeld aufgewachsen sind. Für sie bedeutet die Aufnahme in ein Tierheim oder eine Wohnung einen massiven Eingriff in ihre bisherige Lebensweise.
Das Leben auf der Straße ist zweifellos nicht frei von Risiken und Entbehrungen. Gleichzeitig bietet es vielen Hunden ein hohes Maß an Selbstständigkeit, soziale Kontakte zu Artgenossen, feste soziale Strukturen und die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen. Für manche dieser Hunde stellt der Wechsel in ein Umfeld mit völlig anderen Reizen, trotz Versorgung, Sicherheit und Komfort eine klare Verschlechterung ihrer Lebensqualität dar.
Um Hunde erfolgreich in ein Leben mit Menschen zu integrieren, braucht es vor allem eines: frühe und positive Erfahrungen mit ihnen. Diese sogenannte Sozialisierung findet in den ersten Lebenswochen statt und prägt dauerhaft, wie ein Hund Menschen wahrnimmt und mit ihnen umgeht.
Viele Straßenhunde hatten in dieser sensiblen Phase entweder gar keinen Kontakt zu Menschen oder ausschließlich negative Erfahrungen. Selbst wenn Welpen gemeinsam mit ihrer Mutter früh eingefangen und in ein Shelter gebracht werden, fehlt dort oft die Zeit, die personellen Ressourcen und die Ruhe, um einen sicheren und positiven Umgang mit Menschen aufzubauen. Hinzu kommt, dass die Mutterhündin selbst meist unter enormem Stress steht und bei Annäherung von Menschen Angst und Anspannung zeigt – ein Verhalten, das die Welpen übernehmen.
Diese Voraussetzungen können schwerwiegende Folgen haben. Hunde, die bei uns häufig als „Angsthunde“ bezeichnet werden, zeigen Verhaltensweisen wie starkes Ziehen an der Leine, Ausweichverhalten, Meideverhalten bei Berührungen, Abschnappen oder panisches Flüchten. Diese Reaktionen sind keine Unarten, sondern Ausdruck eines tief sitzenden Konflikts: Der Mensch ist für sie keine sichere Bezugsperson und jegliche Reize und Einflüsse ein Auslöser von Stress.
Entgegen der oft gehörten Aussage, solche Hunde müssten sich „einfach nur an die neuen Umstände gewöhnen“, leiden viele von ihnen ein Leben lang – leise, unauffällig und kaum sichtbar. Ihnen fehlt häufig echte Lebensfreude. Sie funktionieren, passen sich an und haben gelernt, dass Widerstand zwecklos ist. Dauerstress wird ihr Normalzustand. Sie finden sich in ihrem neuen Leben nicht wirklich zurecht, und ihre Bedürfnisse bleiben oft unerkannt oder werden missverstanden.
Auch Überforderung spielt eine große Rolle. Bellen an der Leine, Jaulen beim Alleinbleiben oder scheinbar grundloses Unruheverhalten werden häufig falsch interpretiert – als mangelnde Erziehung oder fehlende Bindung. Doch Vertrauen und Zeit allein sind nicht immer ausreichend. Diese Hunde brauchen vor allem Empathie, echtes Verständnis für ihre Vorgeschichte und professionelle Unterstützung. Und genau daran fehlt es in den meisten Fällen. Natürlich gibt es auch Hunde aus dem Ausland die einfach nur Erziehung brauchen, aber diese machen deutlich weniger Probleme und haben deutlich weniger Probleme.
Die zweite Chance
Jeder Tierheimhund bringt eine Geschichte mit, die ihn geprägt hat. Dieser umfassende Erziehungs- und Verhaltensratgeber vermittelt das besondere Know-how, das Besitzer von Hunden aus zweiter Hand brauchen, von der Eingewöhnung über Bindungsaufbau bis zu Verhaltensauffälligkeiten. Viele Fallbeispiele aus der Praxis der Autorinnen zeigen, wie man bei Problemen angemessen reagiert. Wertvoll auch für Mitarbeiter in Tierheimen und im Tierschutz.
Mein Fazit
Der legale Handel mit Hunden beginnt nicht erst dort, wo Geld verdient wird, sondern dort, wo Nachfrage unkritisch bedient wird. Wo Hunde schnell verfügbar, emotional beworben und ohne tiefgehende Aufklärung vermittelt werden, entsteht ein System, das Leid nicht verhindert, sondern verschiebt – vom Herkunftsland in die Wohnzimmer der neuen Halter.
Nicht jeder Hund kann oder möchte ein Leben in engem menschlichem Kontakt führen. Nicht jede Rettung ist automatisch eine Verbesserung der Lebensqualität. Und nicht jede gut gemeinte Adoption ist für alle Beteiligten die richtige Entscheidung. Verantwortung beginnt nicht mit dem guten Willen, sondern mit ehrlicher Auseinandersetzung, Wissen und der Bereitschaft, auch unbequeme Realitäten anzuerkennen.
Wer sich für einen Hund entscheidet, entscheidet sich nicht nur für ein Tier, sondern für dessen Geschichte, seine Prägungen und seine Grenzen. Echten Tierschutz bedeutet das, genau hinzuschauen – bevor man handelt, nicht erst danach.







